Kreativität und KI

Dynamische Kreativität und KI 2025

Kreativität und KI

 

Kreativität und KI: Kreativität ist von der KI nicht erzeugbar

– sondern ein künstlerischer Prozess, der auf dem Geistigen im Menschen fußt.

Die Sehnsucht nach dem Geistigen

Inmitten des digitalen Zeitalters, in dem Künstliche Intelligenz immer größere Bereiche unseres Lebens erobert, wächst auch die Faszination für das, was Menschsein eigentlich ausmacht. Während Algorithmen lernen, zu malen, zu komponieren, Gedichte zu schreiben, bleibt eine Frage offen: Können Maschinen wirklich kreativ sein? Ist das, was sie erzeugen, echte Kunst? Oder gibt es in der menschlichen Kreativität eine Dimension, die sich einer Nachahmung durch KI grundsätzlich entzieht?

Die Antwort führt uns tief in das Wesen des Menschen – zum Geistigen, das sich in der Kunst offenbart. Kreativität ist kein bloßes Kombinieren von Daten oder ein statistisches Spiel mit Wahrscheinlichkeiten. Sie entspringt einem inneren, geistigen Prozess, in dem Freiheit, Bewusstsein und Sinnsuche verschmelzen. Kunst ist Ausdruck dieses Prozesses: Sie ist mehr als Produkt, sie ist Ereignis, Begegnung, Offenbarung.

1. Was unterscheidet menschliche Kreativität von KI‑generierten Werken?

Künstliche Intelligenz beeindruckt heute mit Bildern, Texten und Musikstücken, die auf den ersten Blick kaum von Werken menschlicher Hand zu unterscheiden sind. Doch was fehlt KI? Es ist das Geistige – jene unsichtbare, aber reale Dimension, die jedes große Kunstwerk durchdringt.

KI arbeitet mit Mustern, Wahrscheinlichkeiten, Ähnlichkeiten. Sie „lernt“ aus Datensätzen, bleibt jedoch im Rahmen des bereits Vorhandenen. Ein Algorithmus weiß nicht, was Schönheit, Freiheit, Sehnsucht oder Transzendenz bedeuten. Er kennt keine Angst, keine Hoffnung, keine Ekstase. Kreativität im menschlichen Sinne jedoch ist stets ein Überschreiten, ein Sehnen, ein Durchbrechen der Grenze des bloß Gegebenen.

Der Philosoph Johann Gottlieb Fichte sprach bereits im 18. Jahrhundert davon, wie das „Unendliche im Endlichen erscheint“. Für ihn war jedes Kunstwerk eine Manifestation der Freiheit des Ich, das sich im Werk materialisiert. Diese Idee, dass Kunst etwas Unsichtbares, Geistiges sichtbar macht, ist bis heute zentral, wenn wir das Wesen menschlicher Kreativität verstehen wollen. Demnach ist klar und eindeutig: Die Künstliche Intelligenz hat kein Ich.

2. Das Geistige als Ursprung der Kunst

Die großen Denker der deutschen Idealismus – Fichte, Schelling, Hegel – und viele Künstler nach ihnen sahen im Künstlerischen den eigentlichen Ort, an dem das Geistige in die Welt tritt. Friedrich Schelling etwa bezeichnete die Kunst als „Organon der Philosophie“, als Werkzeug, mit dem das Absolute – das Unendliche, das Göttliche – in der Anschauung fassbar wird. In der Kunst, so Schelling, heben sich Subjekt und Objekt auf: Der Künstler wird zum Medium, durch das sich das Universum selbst begegnet.

Georg Wilhelm Friedrich Hegel nannte die Kunst die „erste Erscheinungsform des absoluten Geistes“. Auch wenn er davon ausging, dass die Philosophie der Kunst irgendwann die Leitfunktion abnimmt, bleibt für ihn klar: In der Kunst wird die Idee sinnlich – das Unendliche wird im Endlichen erfahrbar.

Johann Wolfgang von Goethe wiederum sah in der Kunst eine „zweite, über die Natur sich erhebende Schöpfung“. Sie zeige eine idealisierte Natur, die den in ihr wirkenden Geist sichtbar mache – eine Natur, die mehr ist als bloße Materie, sondern ein lebendiges Symbol für das Geistige.

3. Schönheit, Freiheit und das Ästhetische als Weg zum Geistigen

Der Dichter und Denker Friedrich Schiller formulierte es so: „Nur durch die Schönheit wandert man zur Freiheit.“ Für ihn ist der ästhetische Zustand – das tiefe Erleben von Schönheit – der Schlüssel, durch den das geistige Wesen des Menschen offenbar wird. Kunst ist für Schiller nicht bloße Dekoration, sondern eine existentielle Erfahrung, die den Menschen über das Alltägliche erhebt. Im Kunstwerk begegnet der Mensch sich selbst in seiner höchsten Möglichkeit: als freies, schöpferisches, geistiges Wesen.

Hier offenbart sich ein zentraler Unterschied zur KI: Maschinen können Schönes erzeugen, indem sie Muster nachahmen. Aber sie können keine Schönheit erleben – und schon gar nicht den Drang nach Freiheit oder Sinn spüren. Der künstlerische Prozess bleibt dem Menschen vorbehalten, weil er ein inneres Abenteuer ist, ein Gespräch mit dem eigenen Geist und dem Geist der Welt.

4. Künstler als Zeugen des Geistigen

Seit Jahrhunderten sind Künstler jene Menschen, die das Geistige in besonderer Weise erfahrbar machen und sichtbar werden lassen. Sie sind Seismografen des Unsichtbaren, Übersetzer einer Wirklichkeit, die sich unserer direkten Wahrnehmung entzieht. In ihrer Arbeit verbinden sie das Materielle mit dem Immateriellen, das Sichtbare mit dem Unsichtbaren.

Beispiele großer Künstler und ihrer geistigen Dimension

Im Folgenden werden zentrale Künstler und ihre Aussagen über das Geistige in der Kunst vorgestellt – jeweils im Zusammenhang mit ihrem Werk:

Joseph Beuys: Geist ist hier, nicht „dort“. „Geist ist nicht Jenseits, er ist hier und jetzt … die Welt der Erscheinungen ist der erscheinende Geist.“ Er erfindet den erweiterten Kunstbegriff – Kreativität als revolutionäre Kraft. „Die einzig revolutionäre Kraft ist die Kraft der menschlichen Kreativität – die einzige revolutionäre Kraft ist die Kunst.“ Sie wird zum Motor gesellschaftlicher Wandlung; Soziale Plastik bezeichnet den bewussten Umbau von Wirtschaft, Politik, Bildung durch kreatives Denken und Tun. Beuys verlegt den Entstehungspunkt in den sozial-materiellen Prozess: Neues Wirkliche tritt durch menschliche Gestaltung ein.

Hilma af Klint suchte die „Verbindung zwischen Materiellem und Immateriellem“. Ihre Bilder sind nicht bloß abstrakte Formen, sondern gemalte Botschaften, die sie als Übermittlungen höherer Ebenen wahrnahm. Sie malte, um kosmologische Zusammenhänge sichtbar zu machen und die Menschen an ihre spirituelle Herkunft zu erinnern.

Franz Marc gab den Farben symbolische Kräfte (Blau = Geist). In seinen berühmten Tierbildern spiegelte er eine übersinnliche Naturwelt, in der das Geistige durch Tiere und Farben zum Ausdruck kommt.

Wassily Kandinsky forderte in „Über das Geistige in der Kunst“, dass Kunst aus „innerer Notwendigkeit“ entstehen müsse. Für ihn ist Abstraktion kein Selbstzweck, sondern Ausdruck des direkten Klangs der Seele. Das Werk ist Resultat einer geistigen Bewegung, nicht nur ästhetische Oberfläche.

Paul Klee formulierte: „Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar.“ Seine Bilder machen unsichtbare, geistige Strukturen anschaulich – sie eröffnen den Blick in eine andere Realität, die hinter den Dingen liegt.

Piet Mondrian entwickelte mit dem Neoplastizismus eine „Kunst des reinen Bewusstseins“. Seine Raster und Primärfarben visualisieren eine universelle Harmonie, die er als geistige Ordnung verstand.

Mark Rothko schuf Farbfelder, die „tragische, ekstatische“ Grundemotionen verkörpern. Der Betrachter soll in Farbe als transzendentem Erfahrungsraum versinken und eine existentielle Tiefe erleben.

Anselm Kiefer arbeitet mit mythisch-alchemistischen Bildschichten, um geschichtliche und kosmische Geist-Sedimente freizulegen.

Olafur Eliasson schafft Installationen, in denen der Betrachter ein „Bewusstsein für das eigene Wahrnehmen“ entwickelt. Licht, Luft, Wasser – das Erlebnis selbst wird zum geistigen Inhalt.

James Turrell schließlich lässt Licht zum „Objekt der Wahrnehmung“ werden. Er erzeugt kontemplative Zustände, in denen das reine Licht zum geistigen Erlebnis wird.

Diese Künstler zeigen: Kunst ist nicht bloß ein Produkt, sondern ein Prozess, durch den sich das Geistige im Menschen und in der Welt offenbart.

5. Die Rolle des Künstlers: Freiheit, Subjektivität und Schöpfung

Was macht den Künstler zum Schöpfer? Es ist die Fähigkeit, aus Freiheit heraus neue Wirklichkeiten zu entwerfen. Der Künstler ist kein passiver Empfänger, sondern ein aktiver Gestalter. Er bringt das Unsichtbare durch das Sichtbare zur Erscheinung – ob in Bildern, Musik, Sprache, Bewegung.

Fichte, Schelling, Hegel und ihre Nachfolger betonten immer wieder die schöpferische Freiheit des Menschen. Kunst ist ein Akt der Selbsttranszendenz, ein Überschreiten der eigenen Grenzen. Der Künstler wird zum Zeugen des Geistes: Er zeigt, dass Materie nicht alles ist, dass im Menschen ein kreatives Prinzip wirkt, das nie ganz erklärbar ist.

Gerade hier stößt KI an ihre Grenze. Sie kann Vorhandenes kombinieren, aber nicht aus Freiheit schöpfen. Sie ist ein Werkzeug, kein Subjekt. Ihr fehlt das, was Schiller als das eigentliche Ziel der Kunst bezeichnet: die Freiheit des Geistes, die nur im Menschen möglich ist.

 

6. Kunst als zweite Schöpfung und als spiritueller Erfahrungsraum

Goethes Idee der Kunst als einer „zweiten Schöpfung“ weist auf einen weiteren Aspekt hin: Der Künstler ist nicht Nachahmer der Natur, sondern Schöpfer einer eigenen Welt. In der Kunst wird eine Realität entworfen, die sich von der Alltagswelt abhebt, sie aber zugleich interpretiert und übersteigt.

Kunst ist dabei immer auch ein spiritueller Erfahrungsraum. Sie kann – wie bei Hilma af Klint oder Wassily Kandinsky – zum Medium für kosmische, universelle Zusammenhänge werden. Oder sie kann, wie bei Mark Rothko oder James Turrell, den Betrachter in einen Zustand tiefer Kontemplation versetzen.

In jedem Fall bleibt Kunst ein Raum, in dem das Geistige erfahrbar wird. Sie bietet dem Menschen die Möglichkeit, sich selbst und die Welt immer wieder neu zu entdecken – als Ausdruck eines schöpferischen Prinzips, das allen Dingen zugrunde liegt.

7. KI als Werkzeug – aber nicht als Schöpfer

Künstliche Intelligenz kann Künstler inspirieren, Prozesse beschleunigen, neue ästhetische Möglichkeiten eröffnen. Doch sie bleibt ein Werkzeug. Ihr fehlt das Bewusstsein, die Freiheit, die Intention, die Erfahrung. KI kann nicht leiden, hoffen, zweifeln, träumen. Sie kann nicht aus innerer Notwendigkeit handeln, nicht aus einer existenziellen Krise heraus schöpfen, nicht im Angesicht des Todes oder der Liebe ein Werk erschaffen. Kann KI Kreativität fördern?

Die großen Werke der Kunstgeschichte sind nicht aus Berechnung entstanden, sondern aus der Tiefe menschlicher Erfahrung. Sie sind Spiegel einer geistigen Entwicklung, einer individuellen oder kollektiven Suche nach Sinn. KI kann dies simulieren, aber niemals wirklich durchleben.

8. Das Geistige in der Kunst: Eine graphische Übersicht

Nachfolgend finden Sie eine graphische Darstellung der in diesem Essay besprochenen Künstler und ihrer jeweiligen Zugänge zum Geistigen in der Kunst. Diese Übersicht verdeutlicht, wie vielfältig und tiefgründig das Geistige in der Kunst erfahrbar gemacht wird – und warum gerade diese Dimension für KI unerreichbar bleibt.

9. Resümee: Die Unersetzbarkeit des Menschlichen

Kreativität ist ein geistiger Akt, ein Abenteuer ins Unbekannte, ein Dialog zwischen Mensch und Welt, zwischen Endlichem und Unendlichem. Sie ist zutiefst menschlich, weil sie aus Erfahrung, Emotion, Reflexion und Spiritualität erwächst. KI kann imitieren, kombinieren, variieren – aber nicht schöpfen. Das Geistige, das in der Kunst sichtbar wird, bleibt dem Menschen vorbehalten.

Die Künstler, Denker und Visionäre, die wir betrachtet haben, machen deutlich: Kunst ist nicht bloß Dekoration oder Unterhaltung, sondern eine existentielle Notwendigkeit. Sie ist der Ort, an dem das Geistige erfahrbar wird – als Freiheit, Schönheit, Sinnsuche, als Transzendenz.

In einer Welt, in der Maschinen immer perfekter werden, bleibt das schöpferische Prinzip des Menschen einzigartig und unersetzbar. Kreativität ist und bleibt ein künstlerischer Prozess, der im Geistigen des Menschen gründet – und der KI für immer verschlossen bleibt.

Literaturverzeichnis

  1. Fichte, Johann Gottlieb: Über das Wesen der Gelehrten und ihre Erscheinungen im Gebiete der Freiheit
  2. Schelling, Friedrich: Philosophie der Kunst (Volltext)
  3. Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Ästhetik oder Philosophie der Kunst (Volltext)
  4. Goethe, Johann Wolfgang: Über Kunst und Altertum
  5. Schiller, Friedrich: Über die ästhetische Erziehung des Menschen
  6. Joseph Beuys – Biografie und Werke (Bundeszentrale für politische Bildung)
  7. Hilma af Klint – The Guggenheim Museums and Foundation
  8. Franz Marc – Biografie und Werke (Kunsthistorisches Museum)
  9. Kandinsky, Wassily: Über das Geistige in der Kunst (Volltext)
  10. Paul Klee – Zentrum Paul Klee, Bern
  11. Piet Mondrian – Tate Modern
  12. Mark Rothko – The Rothko Chapel
  13. Anselm Kiefer – Royal Academy of Arts
  14. Olafur Eliasson – Studio Olafur Eliasson
  15. James Turrell – Official Website

monnet -UE

Anstelle von Denkverboten

WertePost – Anstelle von Denkverboten 2020

 

 

Anstelle von Denkverboten

 

 

Anstelle von Denkverboten

Gastbeitrag Bertelsmann Stiftung

Creating Corporate Cultures

 

In Zeiten der Donald Trumps und der Greta Thunbergs könnten Kontraste in der Weltsicht nicht ausgeprägter sein. Polarisierer wähnen sich im Begriff der einzig gültigen Wahrheit. Ökologie und Ökonomie stehen sich gegenüber wie These und Antithese, entstammen aber beide einem Ursprung, sind untrennbar verbunden. Das eine Prinzip lebt aus und durch das andere. Und vice versa.

Wir leben in einer Epoche, in der wir lernen müssen, Polaritäten und Denkverbote zu erkennen und zu überwinden. Denn damit können wir notwendig gewordene Verwandlungen der Gesellschaft und Wirtschaft ermöglichen. Was eigentlich zusammengehört, fällt aber zusehends auseinander. Alle Welt redet von Nachhaltigkeit. Sogar die Finanzwirtschaft hat sie entdeckt. Kein Wunder. Nachhaltige Schulden lassen sich wunderbar weiterverkaufen.

 

Sapere aude

Wohl verstandene Nachhaltigkeit könnte eine Synthese aus ökologischen und ökonomischen Interessen sein. Haushalten und Nachhalten entspringen einer Quelle. Ganz im Sinne des griechischen Oikos. Den zu bemühen, erfordert den Mut des Querdenkers. Denn das Ökosystem braucht Ökonomie und Ökologie. Der Diskurs kann zum Führungsprinzip werden. Sapere aude: Habe Mut, weise zu werden. Kant machte daraus – dich deines Verstandes zu bedienen.

Wie wahr. Wir benötigen nicht nur eine Rückbesinnung auf tradierte Werte. Auch eine multiintelligente Voraussicht ist dringend vonnöten.  Das geht nicht mit Denkverboten und -blockaden. Wir können dem nur mit neuem Denken entwachsen. Und dies in Freiheit. Einem Denken, das Grenzen überschreitet und neue Perspektiven für sinnvolles Handeln eröffnet. Darauffolgend die so dringenden Erfindungen und Innovationen für unseren diesbezüglich dahinvegetierenden Wirtschaftsraum.

 

Neue Maximen

Hermann Hesse lässt Demian sagen: „Nur das Denken, das wir leben, hat einen Wert.“ [1] Das ist nicht nur schön gesagt. Es kann als Maxime auch für Unternehmen stehen. Unternehmen kommen in der Frage der Vertrauenswürdigkeit laut Umfragen schlecht weg [2]. Aber sie haben auch einen riesigen Hebel in der Hand, um die Welt zu verändern und sie lebenswerter zu gestalten. Die Zeit drängt, aber genau deswegen sind Besonnenheit, Konzentration, Intelligenz und Effizienz entscheidend. Mit neuem Fokus kann ein anderer Weg eingeschlagen werden.

Wie können Unternehmen sich verändern und im Hinblick auf sich sehr schnell wandelnde Verhältnisse erfolgreich bleiben? Und dies unter ökologischen, sozialen, nachhaltigen, aber auch ökonomischen Gesichtspunkten. Dieser Weg beinhaltet ein Rück- und Vorbesinnen auf verloren gegangene und neue Werte: ohne Denkverbote und fadenscheinige Wertekostüme. Nietzsche folgend ist der Mensch sowohl Zertrümmerer als auch Setzer von Werten.

 

Der Nachhalt kommt vor Nachhaltigkeit

Mehr und mehr setzt sich die Einsicht in den Köpfen auch unserer Wirtschaftslenker durch, dass wir so nicht weitermachen können. Wir benötigen ein anderes System, um die Wirtschaft zu führen, Rechenschaft abzulegen und zu bilanzieren. [3] Wir diskutieren seit mehr als 10 Jahren verzweifelt über Nachhaltigkeit. Abertausende von Wissenschaftlern in aller Welt messen immer exakter die Zustände von Mutter Erde. Uns gelingt es bislang nicht, diese Erkenntnisse, Fakten und Werte zu integralen Bestandteilen unserer Bilanzen zu machen. Dabei stiftet Nachhalten bekanntlich Vertrauen und Werthaltigkeit.

Werte dienen als Kompass, um Richtung zu geben, für Entscheidungen. Die Komplexität des Lebens und Wirtschaftens hat enorm zugenommen. Beleg: Unternehmen fordern am meisten den Bürokratieabbau. [4] Komplexität erfordert ganzheitliche Konzepte. Mit der Ganzheit entsteht etwas Neues durch die Integration der Teile auf einem höheren Niveau. Unsere Probleme haben wir uns selbst erschaffen. Sie sind weder mit überkommenem Denken noch mit den Rezepturen der Vergangenheit zu lösen.

Unsere heutige Krise ist deren Produkt. Folglich kann dieses Produkt auch nicht mit der gleichen Denkungsart verwandelt werden, die zu jener Erstarrung führte. Es müssen Unternehmensentwicklungen angestoßen, Transformationsprozesse in Gang gebracht werden, die aus der Dystopie, aus den Sackgassen unseres Denkens hinausführen. So werden wir neue Türen des Zukünftigen aufzustoßen in der Lage sein.

 

Anstelle von Denkverboten Entdeckergeist wecken

Um diesen neuen und alten Werten zur Wirksamkeit zu verhelfen, benötigen wir Abenteurer- und Entdeckergeist. Ohne ihn kein Neuland, keine neuen Produkte, Dienstleistungen und Arbeitsplätze. Wir sind derartig verseucht vom Kosten-Nutzen Denken, dass wir die notwendige Kreativität auf der Suche nach dem unternehmerischen Genius verloren haben. Vielleicht auch eine Folge von Denkverboten?

Wir benötigen also neue Konzepte, gewonnen aus freiem Denken und daraus resultierenden unternehmerischen Handlungsweisen. Dafür ist auch ein neu zu entwickelndes Bewusstsein für die realen Zusammenhänge und Vorgänge im Unternehmen notwendig. Führung wird zur dynamischen Disziplin, die sich stets an wandelnde Begebenheiten anpasst, mehr noch: den Wandel aktiv gestaltet, ihm Profil und Richtung gibt.

 

Neues Bewusstsein schafft neue Bilanzform

Ein möglicher Brennspiegel des Neuen? Die Change mit der Wertebilanz. Im Gegensatz zu den bisherigen Bilanzierungsregularien. Spiegeln denn die tradierten Bilanzen die tatsächlichen Verhältnisse in einem Unternehmen wider? Bilden diese vollständig und wahrheitsgemäß die unternehmerischen Prozesse ab? Für die meisten Mitarbeiter und Führungskräfte sind Bilanzen darüber hinaus langweilig, nicht verständlich, und es macht keinen Spaß, sich damit zu beschäftigen, geschweige denn, diese zu erstellen. Was fehlt?

Bilanzen stellen herkömmlich eher Zahlen und Berichte dar. Die finanzielle Entwicklung der Geschäftsaktivitäten in definierten Zeiträumen wird abgebildet. Doch was ist mit anderen unternehmerischen Belangen? Eigentlich schreibt die Gesetzgebung sogar vor, korrekt, vollständig und wahrheitsgetreu zu bilanzieren. Vieles, für das bereits in Unternehmen quasi selbstverständlich, aber jenseits der Beobachtung gearbeitet wird, wird sichtbar und bewertet, wertgeschätzt und damit buchbar in die Klarheit geführt. Real wertschöpfende Prozesse in einer Wertebilanz zu dokumentieren, führt das Unternehmen zu seinem Genius. Dies auch mittels eines neuartigen Ansatzes der Ressourcenbilanzierung.

Real wird dies durch das Buchen von Verbrauch, Gebrauch, Vernichtung und Renaturierung der natürlichen Ressourcen in der Wertebilanz. Ressourcen werden zu Vermögen der Unternehmen. Damit bleiben Verantwortung und Besitz für die verwendeten Rohstoffe im Unternehmen selbst. Das Produkt wird zwar verkauft oder verliehen, der Rohstoffwert aber bleibt unangetastet. Dadurch wird der Umgang mit unseren Naturgütern nachvollziehbar. Der Staat bräuchte keine pauschalen Steuern mehr zu erheben, sondern würde den Verbrauch oder das Verschleudern der Ressource höher besteuern und das Recyceln belohnen durch Steuererleichterungen.

 

Anstelle von Denkverboten zukunftsfähige Prosperität

Das alles benötigt ein System, das auf der einen Seite Freiheitsgrade in sich trägt, auf der anderen Seite einen klaren Rahmen für Orientierung: die Wertebilanz.  Auf Heller und Euro werden die alten und neuen Werte in der Wertebilanz festgestellt und real gebucht. Bisher schlafende, nicht transparente Leistungen, die sich nach „Lüftung“ sehnen, oder neue Unternehmensleistungen werden so wie Schätze geborgen.

So kann Wertschätzung einsetzen, auch in monetärer Hinsicht. Der konkreten gesamtgesellschaftlichen Entwicklung, speziell in Fragen der Digitalisierung, Globalisierung und der ökologischen Nachhaltigkeit folgend, ergeben sich immer neue wertschöpfende Prozesse und Produkte, die von Fall zu Fall vom Geldwert berücksichtigt werden müssen. Diesen Wertschöpfungsprozessen wird in der Wertebilanz Rechnung getragen. Wirkungen entdecken wird integraler Bestandteil einer neuartigen Bilanzierung.

Wertebilanzunternehmen zeigen offensiv, was sie können und leisten. Und eines ist gewiss: Die Wertebilanz wird die ökonomischen und ökologischen Verhältnisse realistischer spiegeln und der unternehmerischen Wirklichkeit näherbringen. So werden Buchhaltung und Bilanzierung verständlicher und wecken vielleicht ein breiteres Interesse im Unternehmen und darüber hinaus. Warum, weil die Vorgänge und Fakten im Unternehmen tatsächlich in die Bilanz geschrieben werden. Erreichtes wird sichtbarer. Begeisterung kommt auf und das Unternehmen entwickelt eigenständig Potenziale. Die Wertebilanz schafft die Grundlage zukunftsfähiger Prosperität, Ökonomie und Ökologie zu einem alten und neuen Ganzen zusammenführend.

Wertebilanz das Buch

Wertebilanz – Werte nachhaltig bilanzieren für eine zukunftsfähige Ökonomie

Lindemanns Bibliothek – Fachbuch

ISBN 978-3-96308-110-1 · 29,80 Euro

 

monnet – Unternehmensentwicklung

 


[1] Hesse, H.: Demian, Suhrkamp, 1974
[2] https://www.nim.org/sites/default/files/medien/135/dokumente/2018_-_trust_in_professions_-_deutsch.pdf
[3] https://www.value-balancing.com
[4] https://www.familienunternehmen.de, https://www.welt.de/themen/buerokratie/

CO2 Preise, Steuern und Emissionshandel

WertePost – CO2 Preise, Steuern und Emissionshandel

CO2 Preise, Steuern und Emissionshandel

 

 

CO2 Preise, Steuern und Emissionshandel

Wir haben in Deutschland eine immer größer werdende Anzahl von etwa 20 Steuerarten. Die neueste vielleicht auf uns zukommende wird eine CO2 Steuer sein? Der Bürger versteht schon lange nicht mehr, für was und wen er Steuern zahlt. Steuern auf den Flugtreibstoff Kerosin in Zeiten des Klimawandels werden EU-weit nicht erhoben, außer in den Niederlanden. Mehrfachbesteuerung über die Mehrwertsteuer hinaus durch zahlreiche verdeckte Verbrauchssteuern sind nicht nachvollziehbar. Stehen die Art und Weise, wie der Staat Steuern erhebt und wofür er diese Mittel ausgibt in einem gesunden Verhältnis? Die Umsatzsteuer wird prozentual unterschiedlich z.B. 7% für Kartoffeln und Garnelen und 19% für Süßkartoffeln und Hummer erhoben. Dies ist beileibe nicht nachvollziehbar.¹

Unverständlich für Unternehmer und Bürger bleibt, wofür diese Steuern gezahlt werden. Es ist ebenso nicht transparent, wohin die Unternehmenssteuergelder fließen. In den vergangenen Jahrzehnten wurde wiederholt die Umsatzsteuer erhöht. Dies hatte zur Folge, dass diese Mehrkosten an die Konsumenten weitergereicht wurden und über die Mehrwertsteuer wiederum zugelangt wurde. Ein anderes Beispiel ist der Solidaritätszuschlag. Er wird seit der Wende erhoben. Der ursprüngliche Zweck liegt nicht mehr vor. Zu Beginn sollten damit die Kosten der Wiedervereinigung und der Umbau der ehemaligen DDR finanziert werden.

 

 

CO2 Steuern und die Unternehmen

Dass Unternehmer bei der drohenden CO2 Steuer oder über einen möglichen Emissionshandel stöhnen, scheint verständlich. Der Grundgedanke des Emissionshandels scheint gut. Er beruht auf dem Prinzip Selbstorganisation der Unternehmer und der Gesellschaft. Das Konzept basiert auf unternehmerische ökologische-ökonomische Ausgleiche. Es gibt Unternehmen, die z.B. mehr CO2 produzieren und welche, die es weniger tun. Damit tritt eine schwer zu lösende Aufgabe auf den Plan. Wer bestimmt die Grenzwerte und wie hoch werden die Schwellen gesetzt? Wer organisiert den Handel und wer verdient daran? Selbstverständlich ist, dass Luft und CO2  nicht national zu fassen sind. Ein Zertifikate Handel müsste global definiert und umgesetzt werden.

Die Bürger werden vielleicht erst klagen, wenn die Folgen dieser möglichen neuen Steuer ihren Geldbeutel leeren. Verstehen werden die auslösenden Faktoren eher wenige. Steuern könnte mehr mit dem Verb steuern in Beziehung gebracht werden. Richtung weisen, weniger reglementieren könnte ein Motto sein. Was müsste anders geregelt werden? Was wären Voraussetzungen für eine Veränderung? Steuern sollten wir neu definieren und anders regeln. Dabei könnten die unterschiedlichen Sichtweisen des Staates, der Unternehmen und der Bürger eine bedeutende Rolle spielen. Was müsste geschehen, dass Bürger wie Unternehmen gerne Steuern zahlen?

Ein paradoxer Gedanke? Der Grundgedanke der Finanzierung der allgemeinen Gesellschaftsaufgaben und des Gemeinwesens durch Steuern träte mehr in den Vordergrund.²  In diesem Sinne haben Unternehmer nicht prinzipiell etwas gegen Steuern, genauso wenig wie mündige und verantwortungsbewusste Bürger.

Mit der Wertebilanz kann die Erfassung von ökologischen, sozialen und kulturellen Werten neue Grundlagen für eine ressourcengerechte Besteuerung liefern. Differenziert gebucht, ließen sich aus Bilanz und GuV steuerlich relevante Werte extrahieren, die eine realökonomische Grundlage hätten.³ Dies würde voraussetzen, dass der Staat selber ebenfalls (Werte) bilanziert. So kann die Verwendung und die Wirkung des Mitteleinsatzes aus Steuerausgaben genau verfolgt und besser analysiert werden. Sowohl von Bürgern als auch von Unternehmen. Die mehrfache Besteuerung mit ihrer Kaskadenwirkung könnte so eingedämmt werden. Das Steuersystem und die Verwaltung würden sich gesundschrumpfen.

Wertvolle Rohstoffe, vor allem wiederverwertbare sind als Ressourcen, im Sinne als Vermögenswerte eines Unternehmens anzusehen und auch als solche zu buchen. Damit ist die Verantwortung für die Ressource eindeutig dokumentiert, nämlich im produzierenden Unternehmen. Die Verantwortung für unsere Ressourcen lässt sich so nicht mehr versteckt, durch den Verkauf der Erzeugnisse an den Verbraucher, abdrücken.

Der Verbrauch der Ressource wird dokumentiert, wie auch die Aufwendungen der Wiederherstellung/Recycling. Bei der Produktion von Waren entstehen Spurengase wie CO2 oder toxische Substanzen. Hier gilt es die Vermeidung oder Minderung, die Verwandlung in weniger schädliche Substanzen, die Auslassung oder die Eliminierung durch geeignete Verfahren zu dokumentieren und den Werteverzehr oder den -zuwachs zu buchen.

Damit wären wir bei der Frage, was schädlich für den Menschen und die Gesellschaft ist. Billige Produkte führen in der Regel dazu, dass die eigentlichen Kosten beim Staat und dann beim Bürger landen oder zu Lasten der Natur gehen. Ein Plastikbecher z.B. wird aus mehreren hundert Chemikalien hergestellt. Er kann weniger gut oder gar nicht recycelt werden wie einer, der nur aus wenigen Werkstoffen hergestellt wurde. Das Beispiel macht eine weitere Aufgabe deutlich.

Der Staat hat die Verantwortung, gewisse Produktionsverfahren und Werkstoffe, die dem Gemeinwohl und der Natur schaden, per Gesetz zu verbieten. Das muss keinesfalls in eine Sackgasse führen: es würde Einiges bewirken. Ingenieure sind dafür bekannt, dass sie erfinderisch sind und Neues kreieren oder Ersatzlösungen konzipieren. So würden Unternehmen, die sich der Kreislaufwirtschaft und der Ökologieeffektivität verpflichtet sehen, automatisch weniger Steuern zahlen, da sie zu ihrem Vermögen in Verantwortung stehen.

Dies wird messbar am Wert der verwandten Ressourcen. Mit anderen Worten, ein Unternehmen, das Verantwortung für die Ressource übernimmt und sie erhält, würde auch weniger vom Staat zur Kasse gebeten. Der Verzehr der Ressource müsste nur besteuert werden. Die steuerliche Einsparung kann in die Aufwendungen zur Erhaltung der Ressource reinvestiert werden. Unternehmen, die ihre Ressourcen verbrauchen, müssten zusätzliche Steuern dafür zahlen. Die Rücknahmeverpflichtung der Hersteller für ihre Produkte wird seit mindestens drei Jahrzehnten diskutiert. Wenn Vermeidung der Produktion von Schadstoffen oder unternehmerisch nachhaltige Verantwortung vom Staat honoriert wird, wird dies weitreichende und positive Effekte für unsere Umwelt haben.4.

 

Steuern und Digitales

Zurück zum Thema Steuern. Die Forderung nach einer Digitalsteuer macht einiges deutlich. Die Digitalisierung und die damit verbundene Wertschöpfung hat dazu geführt, dass Konzerne wie Google und Facebook sich nicht herkunftsnational, sondern fremdnational besteuern lassen. Dies indem sie die Umsätze und damit Gewinne in Nationen wie Irland verlegen. Hier gelten andere Steuergesetzgebungen und vor allem geringere Steuern als im Herkunftsland. Das sind Auswüchse der Globalisierung. Der hier gelebte priorisierte Unternehmenswert ist „most profit“ und unternehmerischer Egoismus.

Fragen werden hier laut wie: Ergibt es Sinn und ist es zielführend, globale Steuern einzuführen? Können international erzielte Erlöse überhaupt eine nationale Angelegenheit sein? Wo liegt die tatsächliche Wertschöpfung von Digitalprodukten? Hier wird es immer flüchtiger und mit althergebrachten Methoden und Steuersystemen kommt die Weltgemeinschaft nicht weiter. Ein Gedanke wäre den Ver- und Gebrauch von Digitalprodukten dort zu besteuern, wo er tatsächlich in Anspruch genommen wird. Dies würde bedeuten, dass die Erhebung der Mehrwert- und die Umsatzsteuer anders gehandhabt werden müssten.

 

Fazit

Unternehmen, die bislang eher den Profit und die Verschwendung von Ressourcen als Maxime ihres Unternehmens sahen, werden sich umorientieren müssen. Dies, wenn die oben grob beschriebenen neuen Steuergrundsätze eingeführt würden. Dann werden Waren, die über Gebühr Ressourcen verschwenden, so teuer, dass Unternehmen Gefahr laufen, unwirtschaftlich zu arbeiten.

Dies bedeutet auch ein neues Verständnis des Begriffs des Vermögens. Roh- und Hilfsstoffe werden als Ressource in das Anlagevermögen der Wertebilanz genommen und bleibt so im Besitz des Unternehmens. Das bedeutet für Unternehmen, Verantwortung zu übernehmen für die verwandten Materialien, Produkte und Ressourcen. Diese Orientierung wird zu weiteren Aufwendungen für die Unternehmen führen, all diese Prozesse, die der Nachhaltigkeit geschuldet sind, zu bilanzieren.

Der Aufwand lohnt sich, da alle Beteiligten nachvollziehen können, wie die Werte wachsen oder vergehen. Und warum und wieviel Steuern dafür fällig werden. Bei der Gelegenheit kann auch hinterfragt werden, ob die Mehrwertsteuer tatsächlich Mehrwerte besteuert. Oder ist sie tatsächlich eine Konsumsteuer? Wir sind uns einig: wir können vieles messen, aber nicht alles. Was wir messen können, gehört in die Bücher der Unternehmen. Wir haben es schwer den abstrakten scheinenden Begriff oder den Wert der Ökologie zu messen.

Allerdings können wir das, was wir zum Beispiel für den Schutz, den Aufbau oder die Renaturierung von Ressourcen einsetzen und ausgeben, in der GuV exakter und stichhaltiger erfassen. Auf dieser Grundlage könnte der Staat dies besser nachvollziehen und damit realer besteuern. Differenziert dieses nach erweiterten Faktoren und Kategorien und der Bewertung dieser. Neuland für die Bilanzierung von Unternehmensprozessen im digitalen und globalen Zeitalter – nachhaltig, ökologisch, sozial und kulturell.

Das inzwischen verabschiedete Klimaschutzprogramm 2030 ist ein weiterer kleiner unbeholfener Schritt auf ausgetretenen Pfaden: Eine neue Haltung zu finden und wirksame Gesetze zu beschliessen, die unsere Natur schützen, würdigen und die partikularen Eigeninteressen der Menschen mässigen. 5

 

Wertebilanz das Buch

Wertebilanz – Werte nachhaltig bilanzieren für eine zukunftsfähige Ökonomie

Lindemanns Bibliothek – Fachbuch

ISBN 978-3-96308-110-1 · 29,80 Euro

monnet – Unternehmensentwicklung