Bemerkenswert - Less Reporting - Resümee

WertePost – Bemerkenswert – Less Reporting – Resümee 6

Bemerkenswert - Less Reporting - Resümee

 

 

Bemerkenswert – Less Reporting – Resümee 6

 

Less reporting, more accounting –

Weniger Berichtswesen, mehr Buchführung

 

 

SDGs in Ebenen Ökonomie, Soziales, Biosphäre

2030 und die 17 SDG

Es gibt inzwischen weltweit Tausende von Sustainability Initiativen, Sustainability Managern und Abertausende von Nachhaltigkeitsforschern. Im Vermessen der Welt sind wir auf einem beachtlichen Niveau angelangt. Alle Beteiligten suchen nach einem System, das unsere Probleme löst. Einige der 17 Ziele widersprechen anderen oder zehren deren Wirkung auf. Sie sind eher allgemeiner Natur. Neben der Inkonsistenz der 17 Ziele stellten wir fest, dass entscheidende Dinge fehlen wie zum Beispiel Kommunikation und Governance. Es sind am Ende 4-5 Ziele, (Aufstellung 17 SDG Refinement) die unseres Erachtens Unternehmensrelevanz haben.

Ressourcen

Ressourcen Erschöpfung

Wie viele Ressourcen haben wir (Aufstellung Rohstoffe 2022 und ihre Vorkommen!)und wie lange werden diese reichen? Bodenschätze liefern Rohstoffe, die Grundlage unseres Wirtschaftens und des Wachstums sind. Wem gehören sie? Wer hat das Recht, diese zu entnehmen und fördern? Wir benötigen dringend neue Antworten auf diese Fragen, als wir sie uns bislang gaben.

2021 erschien der Dasgupta Review: “The Economics of Biodiversity”. Dasgupta arbeitete mit seinem Team im Rahmen der Royal Society heraus, dass der Mensch in menschliche Ökonomien eingebettet ist; auch in die Natur oder ihr Erdsystem. Rohstoffe sind ökonomisch betrachtet Assets der Natur. Der Mensch ist demnach ein Asset Manager. Bislang ein schlechter, wenn wir die Folgen unseres Handelns für die Natur betrachten.

Klimaaspekte Temperaturanstieg 1880-2020

Klima Rettung? –  Sind wir noch zu retten?

Indem wir meinen, die Welt retten zu können, liegen wir falsch. Wir merken gar nicht, dass dies ein unmögliches Unterfangen ist. Wenn vielleicht etwas zu retten ist, dann sind wir Menschen es. Nur durch unser Verhalten und unseren Umgang mit der Natur und unseren Ressourcen ist noch etwas zu retten.

Die vergangenen Jahrzehnte haben in Bezug auf die Klimafrage und die ökologischen Fragen gezeigt, dass Kapitalismus, Politik und Unternehmen keine sich selbst regulierenden Systeme sind. Berichterstattungen enden oftmals mit Exceltabellen und schönen Grafiken einer Welt, die wir gerne hätten.

Der jüngste IPCC-Report 8.2021 und die oben benannte Studie des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) zum Thema Climate Change 2022 und Kipppunkte belegen dies auf alarmierende Weise. „Wir tanzen auf einem Vulkan“. Die Lese dieser Berichte kann, auch wenn wir um die Grundproblematik und Tendenzen dieser Entwicklungen bereits seit mehr als 50 Jahren wissen, zur Ohnmacht führen. Es wird allerhöchste Eisenbahn, grundsätzlich etwas zu ändern. Mit schnellen Veränderungen in einer warmen und komfortablen Welt haben es die Menschen es anscheinend schwer.

Es ist sinnvoll, dass die Aufwendungen, die zur Vermeidung von Treibhausgasen eingesetzt werden, auch in der Buchhaltung in der G+V transparent ausgewiesen werden. So erhalten wir einen Spiegel der tatsächlichen Aktivitäten eines Unternehmens, dass sich für den Klimawandel einsetzt.

 

 

EU-Taxonomie und ESG

Wir messen inzwischen zu viel, nutzen wenig sinnvolle Strukturen und setzen falsche Priorisierungen. Die ESG-Messungen waren bislang unvollständig, nicht präzise, folgten keinem internationalen Standard zur Vergleichbarkeit und waren damit irreführend. Ungeachtet dessen verfügen wir über einen ganzen Zoo von Nachhaltigkeitsstandards. Die drohende Regulierung macht die ESG-Messung und EU-Taxonomie schwerfällig, verwirrend und belastend für Unternehmen. Die EU-Taxonomie enthält Grenzwerte. Ob diese in dem gewählten Setting dem Anspruch genügen, dem Klimawandel vorbeugen oder ihn zu stoppen, ist noch zu beweisen. Die EU-Taxonomie ist sehr technisch und behandelt derzeit nur die Environmental Aspects. Soziale und Governance Aspekte fehlen. Gewinnerzielung scheint immer noch über dem Planetensterben zu stehen.

Bemerkenswert – Less Reporting – Resümee

Teil 6 von 6

Teil 1: AGENDA 2030 UND DIE SDGs

Teil 2: RESSOURCEN

Teil 3: KLIMAASPEKTE

Teil 4: AKTIVA, ABSCHREIBUNG, LANGLEBIGKEIT

Teil 5: EU-TAXONOMIE UND ESG – ÖKOLOGISCH, UMSETZBAR, WIRKSAM?

Unverständlich

bleibt die Aufnahme von Gas und Atomstrom in die EU-Taxonomie. In der Form, wie die durch die Auswahl aus den sechs Kategorien ist eine Vergleichbarkeit nicht herstellbar. Die Vorgabe, dass Unternehmen damit zusätzlich den anderen Umweltziele keinen erheblichen Schaden zufügen darf, ist wachsweich formuliert und hilft so nicht weiter. Es gibt sicherlich Unternehmen, die gewichtige ökologische Baustellen in mehr als einer Kategorie haben. Da diese Kategorien in der Regel voneinander abhängen in ihrer Wirkung, scheint die Taxonomie fragwürdig.

Die KPIs und Schwellenwerte von etwa 50.000 Unternehmen durch die EU-Behörden zu prüfen, erscheint von der fachlichen Machbarkeit her fraglich. Darum werden große Beratungsfirmen oder Ausgründungen derer diesen Job erledigen (und eine Menge Geld damit verdienen, was den Unternehmen in Krisenzeiten einfach fehlen wird), sich durch den Dschungel dieser Verordnungen zu schlagen.

 

Glaubwürdigkeit

Das Festlegen eines umsetzbaren Standards für alle Firmen EU weit fehlt. Wir benötigen unabhängige, staatlich geprüfte Audits und Zertifizierungen, die soziale und ökologische Missbräuche in den Berichten wie Unternehmen offenlegen.

Weder Gas noch Atomkraft genügen den Ansprüchen ökologisch vertretbarer Energiegewinnung und sind alles andere als nachhaltig. Ein weiteres Beispiel, wie sich nationalpolitische Interessen vor globale Umweltziele durchsetzen.

Diese Aufzählung ist weder vollzählig noch umfassend.

 

Ein neuer Weg

Vielleicht ist es Zeit, einen anderen Weg einzuschlagen und einen stringenteren Ansatz zu fahren. ‚Less is more‘ gilt nicht nur für die Ästhetik. Die Schwellenwerte müssen auf wissenschaftlichem Boden und im Einklang mit den Grenzen der Natur/Ressourcen stehen. Die Frage bleibt offen, wer sie festlegt, und wer kontrolliert, ob sie wirksam sind. Dies vor allem international. Die Bemessung der ESG-Ziele und EU-Taxonomie müssen also von diesen abhängen.

De-Tox: wir brauchen mehr scharfe Gesetze gegen den Einsatz klimaschädlicher und toxischer Stoffe, auch in Bezug auf ESG-Gesichtspunkte.

Wir sollten ein verpflichtendes Transparenzregister der Unternehmen für die Ergebnisse der EU-Taxonomie Berichterstattung einführen. Vorab müssten Kriterien und Messwerte vorgegeben werden die allgemeingültig und valide sind.

 

Anders Bilanzieren – Less Reporting, more accounting

Im Sinne einer holistischen Bilanzierung müssen ökologische Werte in Aufwand, Ertrag und Aktiva in Bezug auf den Umgang mit diesen Fragen in Euros abgebildet werden. Das gehört in die Bilanz und nicht in eine Berichterstattung. So können Anleger und Kunden genau sehen, wie das Geld im Unternehmen verwendet wir, um dem Klimawandel und Umgang mit der Natur in der Bilanz abgebildet wurde. Mit anderen Worten: Das Unternehmen kann genau aufzeigen, wie viel Aufwand ein Unternehmen betreibt, um ökologischen Standards zu entsprechen.

 

Ökologie und Ökonomie in ein gesundes Verhältnis bringen

Unsere Möglichkeiten, Ökologie und Ökonomie in ein gerechtes Verhältnis zu setzen, sind mit unseren heutigen Bilanzen noch lange nicht ausgeschöpft. Hier wären Möglichkeiten der Vergleichbarkeit gegeben, indem die Kontenpläne um die Werte der Ökologie erweitert würden. Auch könnte die Aktivierung von verwendeten Ressourcen das Bewusstsein der Unternehmer in Bezug auf Endlichkeit schärfen. Damit behielte der Unternehmer die Verantwortung für die von ihm in den Produkten eingesetzten Ressourcen. Er würde sich anstrengen, seine Rohstoffe wieder zurückzuerlangen, anstatt sie den Konsumenten zum Wegwerfen zu überlassen. Wenn die EU oder die nationale Steuerverwaltung taxonomie-konforme Bilanzen steuerlich besserstellen, würden Anreize geschaffen werden, die den Aufwand für die Berichterstattung in ein anderes Licht stellen.

 

Ein neue Nachhaltigkeit

In der Tat haben wir bislang einen wenig wirkungsvollen Begriff von Nachhaltigkeit. Unsere Begriffe von Nachhaltigkeit sind vielfältig, verwässert und nicht wirksam genug in Bezug auf die Lösung brennender ökologischer Aufgaben. Vielleicht sollten wir einen neuen Begriff finden und nochmals anfangen mit diesem unsere Klingen zu schärfen. Denn die letzten 12 – 50 Jahre haben gezeigt, dass wir ihn überladen und damit auch für die breite Bevölkerung unverständlich und unglaubwürdig haben werden lassen. Auf zu neuen Taten.

Less Reporting Resümee

Rainer Monnet, monnet-Unternehmensentwicklung, Dezember 2022

WertePost – Klimaaspekte 2022

Klimaaspekte

 

 

Mehr Klimaaspekte

Less reporting – more accounting, weniger Berichtswesen, mehr Buchführung – Teil 3:

In den fünf Teilen dieser Serie von WertePosts gehen wir der Frage nach, inwieweit unsere derzeitigen Reporting Werkzeuge tauglich sind, die notwendigen Schritte für unsere Zukunftsfähigkeit (Sustainability) zu erzielen. In Teil 1 untersuchen wir, ob die Agenda 2030 für Unternehmen wirksam ist. Teil 2 behandelt die Frage nach den Ressourcen und der Frage nach der Endlichkeit. Teil 3 wirft einen Blick auf die Klimafragen und -reporting. Teil 4 bringt einen neuen Ideenansatz, die Nachhaltigkeit im Umgang mit unseren Ressourcen mit einem anderen Umgang mit Aktiva und AfA zu lösen. Teil 5 beleuchtet ESG und die EU-Taxonomie und deren Schwächen. Den Abschluss bildet ein Resümee.

 

Spurengase

Klimawandel, ein gigantisches Thema, das gefühlt kaum in eine Bilanz passt. Wir haben uns als Staatengemeinschaft auf die Deckelung 1,5 beziehungsweise 2 Grad Erderwärmung verständigt (COP Pariser Klimaabkommen). 1. Manko und Schlupfloch: Dies allerdings ohne feste Vereinbarungen und Verträge für die einzelnen Staaten. Zur Erinnerung, CO2 ist ein Spurengas, das mengenmäßig am stärksten auftretendes Treibhausgas. Es hinterlässt in unserer Atmosphäre gefährliche Spuren. Doppelter Wortsinn, zweischneidiges Schwert. Und dies bereits seit vielen Jahrtausenden. CO2 kontrolliert in der Atmosphäre die Strahlungsbilanz. Es wirkt wie ein natürlicher ‚Thermostat‘ für unseren Planeten.

Wir Menschen haben die letzten 100 Jahre zu viel Treibhausgas in den Orbit entlassen. Die globale Erderwärmung ist darauf zurückzuführen. Grundsätzliche Frage: Warum ist es nicht unser Ziel, die Atmosphäre gar nicht mehr zu erwärmen? Die Haltung etwas so abstrakt Bedrohliches wie CO2 einzusparen, wirkt pädagogisch gesehen anscheinend nicht oder wenig. Es wird von der breiten Erdenbevölkerung nicht in gewünschtem Maße ernst genommen oder befolgt. Gleiches gilt für den Wasserstand und Temperatur der Meere.

CO2 ein reaktives Molekül. Es löst die Silikate in der Erde und entzieht sie der Atmosphäre als feste Kohlenstoffverbindung (Carbonate). Das ist der natürliche und langlebige Kohlenstoffzyklus. Dieser natürliche Prozess wird durch die Erderwärmung deutlich beschleunigt. Würde kein CO2 ausgestoßen, würde unsere Biosphäre sterben. Einer der Aufgaben der Menschheit ist es zukünftig, diesen CO2 Prozess in der Balance zu halten.

Der CO2 Zertifikate Handel auf der Basis des „Greenhouse Gas Protokolls“ (GHG) hat gezeigt, dass eine Menge an CO2 an der Börse zu einem monetären Wert werden kann. Das große Zählen hat begonnen und ERP-Player, angefangen von der SAP, Salesforce, Oracle, Microsoft versuchen der CO2 Ermittlung in ihren Systemen Herr zu werden. Für die Öko-Bilanz existiert die Norm ISO 140144. (Seit 2009)

Quantifizierbare Werte wie CO2 oder SO4 in Unternehmen sollten mengenmäßig erfasst werden. Wir erreichen es als Staatengemeinschaft kollektive verbindliche Gesetze zu erlassen. Der Anfang war Klimaschutzabkommen von Kyoto und später Paris.

Eine alles entscheidende Rolle könnte das Methan spielen. Stichwort Permafrostböden. Dr. Cyril Brunner, „Methan, das zweitwichtigste Treibhausgas.“. Wer bei Methan zuerst an Erdgas denkt, liegt nicht falsch. In der Schweiz fallen jedoch 80 Prozent der Methanemissionen auf die Nutztierhaltung zurück.
Methan ist ein starkes Treibhausgas. Es trägt heute etwa 0.54 Grad Celsius zur Erwärmung bei, wird aber in der Atmosphäre bereits nach 20 Jahren um über 80 Prozent abgebaut. Über 20 Jahre heizt Methan etwa 81-​mal stärker als dieselbe Menge CO2. Der Anteil von CO2 an der Erwärmung beträgt heute ungefähr 0.87 Grad.1 Das Gas hält seine wärmende Wirkung hingegen während Tausenden Jahren aufrecht. Vergleicht man über 100 Jahre, wärmt Methan etwa 29-​mal stärker als CO2.

 

Klimaaspekte GHG Treibhausgase

Bildquelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Treibhausgas#/media/Datei:Major_greenhouse_gas_trends.png

 

Klimaaspekte – Kipppunkte

Durch die nahezu unkontrollierbaren Prozesse im Orbit, haben wir es laut dem Potsdamer Institut für Klimaforschung (PIK) mit einer Anzahl von verschiedenartigen Kipppunkten[1] zu tun. Das Klima ist ein Komplexphänomen. Drei der neun wissenschaftlich beschriebenen Kipppunkte belegen dies. Die Schmelze des Grönlandeises und die beiden „Umwälzpumpen“.

Der Jetstream ist für den Kalt- und Warmluftaustausch in der Atmosphäre zuständig. Der Golfstrom AMOC (Atlantic Meridional Overturning Circulation) bewegt mit seiner Umwälzzirkulation das Ozeanwasser und sorgt für den Temperaturausgleich von extrem kalten wie warmen Wassermassen. Diese Kipppunkte drohen aufgrund der selbstverschuldeten Erderwärmung außer Kontrolle zu geraten.

Der jüngste IPCC-Report 8.2021 (state of the climate report 2021, insgesamt 4000 Seiten[2], ipcc report 2022 summary pdf)und die oben benannte Studie des Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK)[3] zum Thema climate change 2022 und Kipppunkte belegen dies auf alarmierende Weise.

Die Lese dieser Berichte kann, auch wenn wir um die Grundproblematik und Tendenzen dieser Entwicklungen bereits seit mehr als 50 Jahren wissen, zur Ohnmacht führen. Es wird allerhöchste Eisenbahn, grundsätzlich etwas zu ändern. Mit schnellen Transformationen in einer warmen und komfortablen Welt haben es die Menschen es anscheinend schwer.

 

 

 

 

Kippunkte

Bildquelle: https://www.protect-the-planet.de/event/2021-rahmstorf-kipppunkte/

 

Klimaaspekte – Zwei polare Szenarien

Es sind polare Szenarien denkbar und sicherlich viele andere darüber hinaus. Das erste ist simpel wie verheerend. Wir leben so weiter und sehen zu, was passiert. Die nahezu unweigerliche Folge wird ein Kollaps unserer Ökosysteme.[4] Wie genau er aussehen wird und wann er eintreten wird, ist nicht genau bestimmbar. Dass er kommen wird, ist sehr wahrscheinlich.

Das zweite Szenario ist vielgestaltiger, immens aufwendig und extrem schwierig in der Durchführung. Wir lösen das Problem. Wir lernen mit hoher Geschwindigkeit anders mit dem Energieverbrauch und unseren natürlichen Ressourcen hauszuhalten. Damit meinen wir in erster Linie auf der Systemebene. Ebenso benötigen wir technische exponentiell gesteigerte Effizenzlösungen. Wir benötigen hochkreative, kooperative interdisziplinäre Schmieden für neue Ideen und Umsetzungen. Forschung allein reicht nicht aus. Das ist nur der Anfang einer langen Aufzählung.

 

Drei Beispiele: Auf der individuellen Ebene sollten wir mehr Mäßigung lernen. Beim Verbrauch sparen wir zukünftig in besser definierten Grenzen.

Wir Menschen benötigen klare Leitplanken, wie zum Beispiel eine monatlich zur Verfügung stehende Menge an Strom und Wärmeenergie. Werden diese Mengen an Energiekosten überschritten, müssen die Kosten exponentiell steigen. Zumindest so lange, bis wir über Technologien verfügen, die unseren Ressourceneinsatz effektiver und klimaneutraler gewährleisten.

Hauseigentümer werden zu Investitionen mit viel kürzeren Fristen gesetzlich gezwungen werden. Bei Nichteinhaltung drohen empfindliche Strafen. Günstige Darlehen haben bislang wenig Wirkung gezeigt. Obschon sie sinnvoll sind. Jährlich wird nur etwa 1% des Immobilienbestandes in Deutschland saniert. Das ist definitiv zu wenig. Und es ist zu langsam.

Staaten, welche den globalen Klimazielen nicht folgen oder sie einhalten, werden vom internationalen Gerichtshof zu empfindlichen Strafen verurteilt. Der Druck der anderen Staaten auf die Verweigerer muss ungeheuer steigen. Wir wissen, dass China, Indien, Brasilien, Russland und einige andere Staaten den überwiegenden Anteil am Ausstoß der Treibhausgase haben. Die reichen Staaten fördern in Zukunft massiv die ärmeren mit Investitionen oder Klimatechnologien.

COP 27: Etwa 30.000 Menschen fliegen jährlich aus aller Welt an einen Ort und reden über das Klima. Vielleicht mit den besten Absichten. Allerdings was haben die 27 COP [5] bislang erreicht? Zumeist nicht eingehaltene Absichtserklärungen. Bei Treffen wie COP werden die Nationen zukünftig daran gemessen, was sie erreichen. Und nicht, was sie versprechen. Wenn die Ziele nicht erreicht werden, kann es kein COP mehr geben. Sanktionen müssen erfolgen.

Klimaziele sind uE nicht in Frage zu stellen. Sie sind sinnvoll wie notwendig. Sie stellen Schritte zur Reduzierung der Erderwärmung dar. Ob dies reicht, wird unter Beweis zu stellen sein. Bislang steigen die Treibhausgasemissionen weiter an. Auch die Erderwärmung liegt über den angepeilten 1,5 Grad. Klima ist leider kein lokales Problem. Es lässt sich nicht lokal lösen. Ein lokaler Beitrag kann geleistet werden. Positiv ist, dass die CO2 Reduzierung in den letzten 30 Jahren in vielen Ländern um etwa 10% gelungen ist.

Allerdings steigen die CO2 Werte wieder an.[6] Zu hinterfragen ist, ob die Fokussierung auf CO2-Reduktion, die endgültige Lösung für unsere hochkomplexen ökologischen Probleme ist. Auch weil der Faktor Zeit nicht konsequent berücksichtigt wird. Gaia, unser Ökosystem Erde, samt der inflexiblen Menschheit und der Atmosphäre zeigt komplexes, nicht-lineares Verhalten. Darum kann die CO2 Reduzierung nur ein Baustein der Lösung sein.

Alle Bemühungen durch Nachhaltigkeitsreportings dem Problem zu Leibe zu rücken, dürfen bislang als wenig wirkungsvoll angesehen werden. Reporting scheint in der bisher praktizierten Weise eher willkürlich. Es gibt zu viele historisch gewachsene Systeme und Standards [7], die keine Vergleichbarkeit zulassen und die unterm Strich nicht ausweisen, dass die Erderwärmung respektive CO2 tatsächlich reduziert werden konnte.

Wir wissen inzwischen immer besser, wie und was wir messen und scheinen an den Daten zu ersticken. Nachhaltigkeitsreportings von großen Unternehmen umfassen inzwischen mehr als 300 Seiten. Die Vermessung von ppm Einheiten CO2 in ökonomischen Systemen wie der Bilanz sind auf Produktebene wie für Lieferketten sehr aufwendig. Der Weltmarktführer SAP hat 2020 mit dem Produkt climate21 einen ersten Versuch unternommen. Allerdings ist dies eine hoch aufwendige analytischen Anwendung, die im Reporting endet.

Auf jeden Fall ist sinnvoll, dass die Aufwendungen, die zur Vermeidung von Treibhausgasen eingesetzt werden, auch in der Buchhaltung in der G+V erfasst werden. So erhalten wir einen Spiegel der tatsächlichen Aktivitäten eines Unternehmens, dass sich für den Klimawandel einsetzt. Selbstverständlich bleibt die Verpflichtung der Erfassung und des Nachweises der chemisch-physikalischen Stellgrößen für den Klimawandel.

Eine Frage ist auch, wie wir den Klimawandel in Zukunft mehr in der Bilanz und Buchführung verankern können. Dazu werden wir im letzten WertePost weiteres ausführen.

 

CO2 historischRainer Monnet

monnet – UE

 

[1] http://www.pik-potsdam.de/~stefan/Publications/Kipppunkte%20im%20Klimasystem%20-%20Update%202019.pdf

[2] https://www.ipcc.ch/report/ar6/wg1/#SPM

[3] https://www.nature.com/articles/s41558-021-01097-4.epdf, https://www.pik-potsdam.de/de/produkte/infothek/kippelemente, https://www.pik-potsdam.de/de/aktuelles/nachrichten/10-neue-erkenntnisse-der-klimawissenschaft-2021

[4] Ugo Bardi, Der Seneca Effekt, Warum Systeme kollabieren und wie wir damit umgehen können, oekom 2015

[5] https://www.tagesschau.de/eilmeldung/klimakonferenz-cop27-eu-abschlusserklarung-klimawandel-101.html

[6] https://carbonmonitor.org

[7] https://wertebilanz.com/nachhaltigkeitstandards/

 

Ressourcenbilanzierung

WertePost – Ressourcenbilanzierung 2025

Ressourcenbilanzierung

 

 

Ressourcenbilanzierung – neu gedacht

 

Etabliertes System

Bestandteil der Wertebilanz ist eine rohstoffgetreue Nachhaltigkeitsbuchhaltung. Sie ergänzt unternehmerische Perspektiven in ihrer Bilanz um neue Werte, Wirkungen und Ressourcen. Wir haben ein Jahrhunderte bewährtes System, dessen Möglichkeiten bei weitem nicht ausgeschöpft sind. Es wird in eindimensionaler Weise, vorwiegend finanzielle Aspekte berücksichtigend, verwendet: die doppelte Buchführung und Bilanzierung.

 

Blick auf die Quellen

Die Komplexität unserer Welt erfordert, dass wir einen konkreten Blick auf die Quellen unseres Lebens (engl. source) und damit auch unseres Wohlstandes werfen. Wir werden sonst nicht verstehen, warum wir eine neue Form der Bilanzierung benötigen. Am Beispiel der Elemente (chemikalische) und Rohstoffe wird dies deutlich. Rohstoffe sind Gaben der Natur, weitestgehend endlich. Auch unsere Kultur beruht auf menschlichen Ressourcen, geistigen Quellen, auf denen wir unsere Gesellschaft, Wissenschaft und Innovationen bauen und weiterentwickeln.

Wir benötigen ein System, das Ökologie, Ökonomie und Zukunftsfähigkeit zusammenführt. Schwellen der Nutzung und Grenzen des Verbrauchs sollen darin klar und sichtbar werden. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen benötigt effiziente Prozesse, Intelligenz und ein neues Bewusstsein. Uns wurde vielleicht ein Gedanke glaubhaft gemacht, dass ein Mangel an Ressourcen herrsche. Viele sind diesem Gedanken erlegen und können sich nicht mehr vorstellen, dass es eher der Mangel an intelligentem Umgang mit den Ressourcen ist, der die Erde zugrunde richtet.

Warum sollte Mutter Natur nicht genug für die Menschheit zur Verfügung haben? Achtung vor den Ressourcen zu erlangen, gelingt durch Arbeit an der Aufmerksamkeit und dem Erlernen von Ressourcenverantwortung. Durch die sachgemäße Behandlung unserer Naturgüter im Unternehmen entsteht ein neuer Verantwortungsbegriff und eine entsprechende Haltung. So werden mit der Wertebilanz Zukunftsfähigkeit, nachhaltiger Umgang mit unseren Ressourcen und Prosperität messbar. Verbrauch, Gebrauch, Vernichtung und Renaturierung natürlicher Ressourcen werden an der richtigen Stelle gebucht und aufgenommen.

 

Verantwortung durch Ressourcenbilanzierung

Diese neue Art der Verantwortung für die verwendeten Rohstoffe führt dazu, dass diese im produzierenden Unternehmen verbleiben; kontrollier- und messbar mit der Buchführung und Bilanz. Das Entnehmen und die Rückgewinnung von Ressourcen bedarf der Ausgewogenheit. Dafür verschaffen wir uns mit Messen und Analysen als integraler Bestandteil der Bilanz das notwendige Bewusstsein. Maßhalten erlernen wir durch den schonenden Umgang mit den Rohstoffen und das Wissen der Grenzen dieser. Intelligente Verschwendung funktioniert, wenn wir die Prinzipien der Circular Economy ernst nehmen, auch mit dem Erfassen der Ressourcen und der Effizienz der Prozesse.

Die Bilanzierung von morgen beinhaltet eine wirklichkeitsgetreue Abbildung von Werten UND Ressourcen. Herkömmlich buchen wir Rohstoffe als Verbrauchsmaterial in der GuV. Was ist das für eine Haltung gegenüber der Natur und den Ressourcen? Nach dem Jahresabschluss ist das Wissen über die Ressource „Kupfer“ und dessen Wert nahezu verloren, da die Buchungen in der GuV durch den Jahresabschluss aus der Bilanz gehalten werden. Das entspricht der über Jahrzehnte gelebten Wegwerfmentalität.

Wer ist verantwortlich für das Kupfer und wem gehört es? Dem Lieferanten, dem produzierenden Unternehmen oder dem Kunden? Uns sollte klar sein, dass der einzig sinnvolle Verantwortliche für die Ressource Kupfer und dessen Verbleib das herstellende Unternehmen ist und dies auch bleiben sollte. Deshalb benötigt es einen anderen Ort als die GuV. Weder der Lieferant noch die Konsumierenden können verantwortlich für das Produkt sein. Im Bilde gesprochen gibt der Produzent die Ressource mit einem unsichtbaren Band an die Konsumierenden. Er leiht es förmlich aus. Der Ort, in den wir die Ressource buchen, ist falsch.

 

Aktivierung von Ressourcen – Ressourcenbilanzierung

Ressourcen sind Aktiva und damit unternehmerisches Vermögen. Mit anderen Worten: Die verwendete Ressource Kupfer wird Anlagevermögen des Unternehmens. Damit ist etwas Wundersames in der Bilanzierung geschaffen. Der „Ort“ der Nachhaltigkeit! Jetzt können Zugang (Recycling) und Abgang (Schwund, Verlust und Abschreibung) des Kupfers klar dokumentiert werden. Holt der Produzent das Kupfer vom Konsumierenden nicht zurück, verliert das Unternehmen an Wert.

Das könnte auch steuerlich relevant werden. Unternehmen, die sich um den Erhalt einer Ressource kümmern, können das in € und Cent belegen. Das könnte sich langfristig steuerlich positiv auswirken. Damit kämen wir weg von einer Pauschal- hin zu einer Realbesteuerung. Verbrauch, Gebrauch, Vernichtung und Renaturierung natürlicher Ressourcen werden zukünftig an der richtigen Stelle gebucht – und das zeigt Wirkung.

 

Wertebilanz – Werte nachhaltig bilanzieren für eine zukunftsfähige Ökonomie

Lindemanns Bibliothek – Fachbuch

ISBN 978-3-96308-110-1 · 29,80 Euro

Wertebilanz - Das buch